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Ein schmerzvoller Brief

 

Ich schreibe dir nun einen Brief. Ist mal was anderes als wie meistens in einen Dialog mit dir zu treten. Auch wenn jetzt, im Moment des Schreibens schon wieder ein Dialog daraus wird. Gott, bin ich froh, dass deine Worte, die ich höre, niemand Anderes genau so mitbekommt. Sonst käme noch jemand auf die Idee mich als schizophren zu bezeichen. Damit wäre mir dann wohl kaum gedient. Egal. Ich schreibe nun.


Wem eigentlich? Dir Gott? Mir selbst? Für irgendwelche anderen, die diese Zeilen lesen? Egal, ich schreibe. Soviel hatten wir in den vergangenen 51 Jahren schon beredet. Ja, ich weiss, als Kind haben diese Dialoge noch ganz anders geklungen: Lieber Gott, ich will dies, lieber Gott, ich will das, lieber Gott ich will jenes. OK, das meiste habe ich auf die eine oder ander Art und Weise bekommen, auch wenn es mir nicht unbedingt immer zu dem Zeitpunkt bewusst gewesen ist.

Auch hatte ich eine lange Zeit, wo ich nicht für mich gebetet habe, sondern für die an dich sicherlich tausendfach angetragenen Bitten wie: Weltfrieden, Beendigung der Hungersnöte, Frieden für die Menschen und all diese Dinge.

Ja ich weiss, jeder ist selbst für sich verantwortlich, alles hat seinen Sinn. Fällt aber auch einem Menschen wie mir manchmal schwer, daran zu glauben. Ja, ich bin zum Teil auch nur Mensch. Im Moment ist mal wieder so ein Punkt. An dem ich mich nur als Mensch fühle, meinen göttlichen Anteil nicht so wirklich annehmen kann. JA, ich weiss, es geht vorrüber, blablabla. Du siehst, ich bin im Moment gerade nicht so toll drauf und kein wirklich sinnvoller Gesprächspartner. Darum schreibe ich dir ja auch diesmal nur.

Wenn ich heute mal all diese "göttlichen" Wünsche weglasse, mein Gefühl und meinen Verstand ausschalte und dich einfach mal nur um was bitte, weiss ich, du hörst mir zu. Ob das an meinem Zustand was ändert, glaube ich im Moment kaum, aber jajajajajaj, ich weiss, alles hat seinen Sinn und seinen Zweck.


Heute ist der erste so richtig geile Tag heute, tolle Sonne und tolles Wetter. Ich war auch schon auf dem Flohmarkt. Aber bitte, mach doch meine Schmerzen ein klein wenig erträglicher!!! Oder lehre mich besser damit umzugehen. Meist klappt es ja, aber so Tage wie heute bringen mich fast um. Wie sehr sehne ich mich manchmal nach den Tagen, wo ich wenigstens zwei, drei schmerzfrei Tage hatte. Ist aber schon Jahre her. Oder wo nur ein Teil des Körpers betroffen war. Hätte mir damals jemand gesagt, dass kann sich ausbreiten, bis in die letzten Zellen deines Körpers, ich hätte ihn ausgelacht. Es nicht geglaubt. Wie, vom Fußzeh bis zu den Fingern, im Kopf, in den Gelenken, in jedem Muskel, jeder Sehne? Überall? Das hält kein Mensch aus. Dann nehme ich halt Schmerzmittel, hätte ich entgegnet.

Dass aber der Körper so ein präzises Instrument ist, sodass er sogar Schmerzmittel ausblenden kann habe ich nicht gewusst. Zum Glück habe ich es damals nicht gewusst. Jetzt kann ich wenigstens ein wenig damit umgehen. Trotzdem, mal eine Woche ohne Schmerzen, alles so bewegen können wie es eigentlich gehen sollte, das wäre klasse.

Das wollt ich dir einfach nur mal schreiben.


So, jetzt ist es draussen, ich denke, du hast es eh schon gewusst, bevor ich es geschrieben habe. Danke für dein Zuhören. Und, danke für die Schmerzen. Ohne sie hätte ich mich die letzten Jahre niemals dorthin entwickelt, wo ich jetzt stehe. Aber es ist halt auch mal gut, meinst du nicht auch?

Bis denn Gott, wer weiss, wann ich mal wieder dazu komme, dir zu schreiben.

 

© Edwin Ehrlich, 08.03.2015

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Gefühle: "Erinnerungen"