DER LIEBE JOB

Ich hatte das Glück und durfte vor vielen Jahren während meines Studiums zum Wirtschaftsingenieur mit mehreren fremdländischen Teilnehmern studieren. Während eines "intercultural seminar" wurden alle Teilnehmer gefragt, was ihnen das Wichtigste im Leben, verbunden mit ihrem zukünftigen Job sei. Was steht für Euch an erster Stelle, wurde gefragt. Jeder Teilnehmer hatte 10 Minuten Zeit, sich stichwortartig schriftlich dazu zu äussern. Danach sollte es verlesen werden. 

Ich war erstaunt was dann passierte und auch die Ergebnisse haben mich sehr nachdenklich gestimmt. Fast alle Studienkollegen südländischen Ursprungs waren nach nicht mal einer Minute fertig und legten ihre Stifte hin. Die Deutschen überlegten, schrieben, überlegten wieder, schrieben weiter. Die Zeit langte kaum, dass sie fertig werden konnten. Danach wurde vorgelesen. Zuerst waren die Deutschen dran:
Geld, Aufstieg auf der Karriereleiter, Erfolg, Ansehen, Gesundheit, weltweises Reisen, eigener Chef....- dies waren nur einige der Stichworte. Jeder der vorlas erntete anerkennende Blicke seiner deutschen Mitstudenten, die ja fast dieselben Stichworte geschrieben hatten.

Bei ALLEN fremdländischen Studenten kam nur eine einzige Antwort und die ohne auch nur einen Moment zu überlegen. -FAMILIE!!!!!!-

Betretenes Schweigen bei den deutschen Kommilitonen.

Ich gebe zu, dies ist nun zwanzig Jahre her, mir ist es trotzdem sehr nachhaltig in Erinnerung geblieben. Gerade in der heutigen Zeit erkenne ich immer mehr, wie sehr doch der Stellenwert der Familie gesunken ist. Dabei ist es egal, ob es um die Ursprungsfamilie, die neu gegründete eigene Familie, Familienbetrieben oder Familien geht, die man sich selber sucht. Die Eltern werden in Pflegeheime abgegeben, die eigenen Kinder wachsen mehr in Tagesstätten als in der eigenen Umgebung auf, berufliche Interessen werden über das Wohl der eigenen Familie gestellt. Und das meistens im Namen des Geldes und des Konsums. Oftmalige Folgen sind dann Burnouts, Herzinfarkte, gesellschaftlich verwahrloste Kinder, einsame Menschen. Der Zusammenhalt der Familie bleibt in den meisten Fällen auf der Strecke. Wie schwierig ist es heutzutage, was früher noch so viel einfacher schien. (Dieses Früher durfte ich am eigenen Leib im positivsten Sinne erleben) Ein Familienfest steht an. Früher war es selbstverständlich, daran teilzunehmen. Es gab keine Ausreden und wenn doch, dann wurde betreffender Person vom Rest der Familie mit aller Deutlichkeit klargemacht, was denn nun Wichtiger sei. Heutzutage stehen Job und Geldverdienen im Vordergrund und alle scheinen dies hinzunehmen, geht es ihnen selbst doch meist genauso. Ich persönlich finde dies eine sehr traurige Entwicklung. Das umeinander Kümmern geht immer mehr verloren und genau so fühlen sich immer mehr Menschen und auch die Kinder. Verloren, ohne Halt. Und so stürzen sie sich immer mehr auf Aüsserlichkeiten um Bestätigung zu finden. Eine Spirale, die so sicherlich nicht endlos weitergehen sollte.

 

Erweitern wir einmal diesen Familienbegriff ein wenig. Alle Menschen sind doch eigentlich eine grosse Familie. Eine Familie, die diesen schönen Planeten bevölkert. Dazu gehört genauso der einsame Nachbar, der keine Angehörigen mehr hat und dessen Partner gestorben ist. Dazu gehören die Menschen, die obdachlos auf der Strasse leben, seien es Erwachsene oder heutzutage immer mehr Kinder. Dazu zählen Menschen in fremden Heimaten in denen sie nicht mehr leben können und die eine neue Bleibe suchen.

Lasst uns doch wieder ein wenig enger zusammenrücken und uns umeinander kümmern. Uns allen wird es besser damit gehen, unsere Herzen werden wieder wärmer und unsere Seele wird es geniessen.

Die Beziehung zu unserer Aussenwelt und zu unserer Familie spiegelt die Beziehung zu uns selbst wieder.

 


Ein gefühlvolles kleines Geschenk für einen für dich lieben Menschen:

Gedichte aus meinem kleinen Gedichte-Bildband, welches du im Buchhandel oder auch auf Amazon erwerben darfst:

Gefühle: "Erinnerungen"