Wenn der Verstand das Gefühl erwürgt

 

Kennen wir das nicht alle, andauerndes fortwährendes Nachdenken?
Das Gehirn kreiselt und kreiselt und kreiselt. Keine Ruhe, kein Abschalten. Ununterbrochenes Kreiseln.
Die Nächte werden zum Albtraum, man kommt nicht zur Ruhe, der Blick in den Spiegel morgens spiegelt wirklich all den Müll im Kopf wieder unerträglich. Selbst tagsüber wird es nicht wirklich gelingen den Stimmen im Kopf dort oben Einhalt zu gebieten. Zur Ruhe kommen, sich ausruhen, fast unmöglich. Und wenn man es dann einmal schafft, sich vor lauter Erschöpfung ein paar Minuten irgendwo langzulegen, und die Füße auszustrecken, ja, selbst dann geht es wieder los.
Denk, denk, denk. Zum wahnsinnig werden, oder?

Derjenige, dem es so ergeht, der fühlt sich wirklich nur noch……- bescheiden. Wortwörtlich kann man wirklich sagen; Der Verstand erwürgt das Gefühl.
Warum schreibe ich darüber?

Früher, auch jetzt noch, zum Glück nur noch ab und an ist es mir ähnlich gegangen. Ich weiß also von was ich hier schreibe. Und es ist mir leid geworden, denn ich bin Sklave meines Verstandes geworden. Anstatt meinen Verstand für mich sinnvoll zu benutzen.
Als ich dies erkannt habe, bin ich bereits den ersten Schritt gegangen in ein angenehmeres Leben und in ein mehr Fühlen anstatt dauernd zu Denken. Aber es war erstmal wichtig, dies selbst zu erkennen. Es hätten mir tausend Leute von außen sagen können, ich hätte es nicht kapiert und auch nicht annehmen können. Die Einsicht war für mich wie ein Blitzschlag.
Benutze deinen Verstand, anstatt dich von ihm benutzen zu lassen. Natürlich waren dies auch nur Gedanken, aber sie waren konstruktiv. Ich konnte zum ersten Mal hinsichtlich dieses Problems etwas verändern. Ich fing wirklich an, meine Gedanken, meinen Verstand zu benutzen.

Was bedeutet das eigentlich für mich in der Realität?
Wenn mein Verstand mich benutzt, dann grübele ich permanent über etwas nach. Für das es wirklich keine Lösung im Moment gibt. Ich grüble über eine Begebenheit nach, welch eine  blöde Emotion in mir ausgelöst hat. Immer und immer wieder gehe ich ein Geschehen durch. Was sich bereits in der Vergangenheit abgespielt hat, oder was sich meiner Meinung nach erst in der Zukunft, wahrscheinlich, ereignen wird. Mit Sicherheit kann ich das nicht sagen. Auf jeden Fall bin ich mit meinem Kopf permanent in der Vergangenheit oder in der Zukunft, nur nicht dort wo ich eigentlich sein sollte. Und wofür der Verstand eigentlich gemacht ist. Nämlich in der Gegenwart. Dort kann ich ihn benutzen. Sinnvoll, konstruktiv.
Diese eben beschriebenen Gedanken kamen in mir hoch und ich konnte mal meine eigenen Gedanken wie ein Außenstehender beobachten und sie dann einfach stehenlassen. Ohne über ein weiteres „Wie denn“ oder „Wie soll das denn gehen“ nachzudenken. Es war wirklich wie eine Geburt.
Alles weitere hat sich daraus von selbst entwickelt. Ich konnte wieder anfangen zu genießen. Zu fühlen. Mein Geist wurde ruhiger und ruhiger. Ich konnte mich einfach in die Sonne legen und fühlen.
Den Windhauch auf meinen Armen. Die Sonnenstrahlen, die meinen Körper erwärmten, ja, sogar die Vogelstimmen nahm ich zum ersten Mal wahr. Ich konnte wieder Spazierengehen und mich an der Natur erfreuen. Dinge auf einmal sehen, wahrnehmen und fühlen die auch vorher schon da waren.
Nur durch mein permanentes Denken habe ich all das übersehen.

Jetzt merke ich immer öfter, wenn meine Gedankenmaschine unproduktiv arbeitet. Und mir nur schadet. Und das ist gut so. Irgendwann werde ich auch nachts wieder gut schlafen können, das weiß ich genau. Immer öfter und öfter bin ich vollkommen anwesend, bin im Hier und im Jetzt. Dann bin ich präsent, in meiner Kraft, und fühle mich gut.
Du glaubst es mir vielleicht nicht, genau in diesem Moment, wo ich schreibe, denke ich überhaupt nicht nach. Die Finger tippen einfach ohne zu überlegen. So geht es mir meistens beim Schreiben. Und genau das ist gut so für mich. Natürlich auch für dich, wenn du dir dadurch etwas für dich und deinen Lebensfrohsinn mitnehmen kannst. Und das wünsche ich dir. Das wünsche ich jedem.

So, jetzt merke ich zum ersten Mal, dass ich über meine Schreiberei nachdenke und deshalb höre ich jetzt besser damit auf. Natürlich muss ich jetzt noch nachdenken, wie ich hier meine Rechtschreibfehler herausbekomme, wie ich den Text halbwegs sinnvoll formatiere, und so weiter. Aber das ist für mich konstruktives Benutzen meines Verstandes. Und genauso solle es sein.
Darum nun mein Schlusssatz:

Sei anwesend im Hier und Jetzt, Fühle, denke nicht nach, lass deine Emotionen ruhig hochkommen, schau sie dir an, denke aber nicht weiter darüber nach. Denn das macht keinen Sinn. Du kannst eh nichts daran ändern.