Wer bin ich eigentlich nicht?

 

Mit dieser Frage bin ich jahrelang herumgelaufen ohne auf eine wirklich befriedigende Antwort zu kommen. Bis ich erkannt habe, dass diese Frage so erstmal nicht zu beantworten geht.

Als neues Erdenwesen kam ich vor langer Zeit auf die Welt. Mein Verstand arbeitete zu Beginn noch nicht wirklich gut und ich war ein Wesen reinster Liebe und des Herzens. Ich war ich selbst mit meinen Gefühlen, die ich äußern konnte, ohne auch nur im Geringsten darüber nachzudenken. Ich schrie, wenn ich Hunger hatte oder mir etwas nicht passte, ich gluckste wohlig, wenn ich zufrieden war. Ich kannte noch nicht Gut oder Schlecht, ich war einfach. Jedoch hielt diese Zeit des Glücks nur sehr kurz an. Mein Verstand fing an zu arbeiten. Er beobachtete mein Umfeld sehr genau. Er bekam mit, wie mein Umfeld darauf reagierte, was ich tat. Er lernte. Ihm wurde bewusst, dass ich schreien musste, um etwas zu bekommen. Aufmerksamkeit, Nahrung, gewechselte Windeln, was auch immer.
Es passierte auch noch etwas entscheidend Anderes. Mein Verstand beobachtete sehr genau die Reaktionen meiner Mitmenschen auf mich. Ich lernte sehr schnell diese Reaktionen zu deuten und mich dementsprechend zu verhalten. Ich passte mich an. Wenn ich lieb und brav war, wurde ich eher angelächelt, als wenn ich schrie und quengelte. Auch wenn mir eigentlich eher nach schreien zumute war. Ich probierte immer mehr aus. Wenn ich lächelte, wurde zurückgelächelt. Ich wuchs heran und machte jeden Tag viele dieser Erfahrungen. Ich wurde durch meine Umwelt geprägt. Alles was ich tat, sagte und machte wurde bewertet. Und dementsprechend reagierte ich. Dies ist ein vollkommen normaler Prozess im Menschenleben.

Doch nun bin ich erwachsen. Voll von Millionen solcher Prägungen. Wie soll ich also herausfinden wer ich bin? Ist es nun wirklich meine Meinung, was ich sage? Mache ich das wirklich gerne, was ich gerade tue? Oder ist es das Resultat dessen, was mir anerzogen wurde, was ich immer und immer wieder gelernt habe und beigebracht bekommen habe?
Meine Prägungen haben nicht nur im Kleinkindalter stattgefunden. Sie begleiteten mich mein ganzes Leben. Von meinen Eltern, von meinen Verwandten, von Menschen, die mir begegneten, in der Schule, in der Kirche wurde ich geprägt. Die täglich auf mich einprasselnde Werbung, die Politik, die Wirtschaft, alles prägt mich zigtausendfach zu Ihren Gunsten.
Dabei geht es nicht wirklich darum, was mir gut tut. Darum ging es selbst als Baby nicht wirklich. Es ging und geht immer nur darum, was Andere meinen, was mir guttut. Meine Eltern konnten nicht anders, denn sie wussten es einfach nicht. Die Werbung, die Politik, die Wirtschaft und vieles Andere jedoch wissen sehr genau, was Sie zu Ihren Gunsten tut. Sehr gute Psychologen werden von eben genannten Institutionen dafür bezahlt und angestellt um alles zu erreichen, mich zu deren Gunsten zu beeinflussen, zu prägen.

Doch nun ist Schluss damit.
Ich darf mich auf die Suche nach mir Selbst machen. Und das funktioniert nun mal nur über die Suche nach all den Anteilen in mir, die ich eigentlich gar nicht bin. Dazu benötige ich viel Unterstützung von meinem Herzen. Den nur mein Herz spürt, was gut für mich ist, was ich wirklich gerne mache. Mein Herz registriert sofort, wenn ich nicht ich Selbst bin. Nur habe ich verlernt, auf mein Herz zu hören. Meist gebe ich meinem ewig plappernden, analysierenden und bewertendem Verstand den Vorrang. Dabei spricht mein Herz täglich mit mir. Und ich werde aufmerksamer, jeden Tag, jede Stunde. Ich beginne, ich Selbst zu werden.

Sobald ich also darüber nachdenke, ob es mir gut geht mit dem was ich mache oder mit der Situation, in der ich mich befinde, dann reagiert mein Verstand, geleitet von meinem Ego. Und ich bekomme eine Fehlinformation von dem, der ich nicht bin. Wenn ich jedoch achtsam auf mein Herz, mein Innerstes lausche, ohne auf meinen Verstand zu achten, werde ich fühlen, ob es sich rund, weich, also richtig anfühlt. Wenn nicht, darf ich entscheiden, etwas zu ändern.

DANKE MEIN HERZ, DASS ES DICH GIBT UND ICH MICH VON DIR LEITEN LASSEN DARF UM WIRLICH KENNENZULERNEN, WER ICH BIN.